Untersuchung und BewertungDie Untersuchung von mikrobiellen Schaden ist sehr komplex und die Wahl der Verfahrensweise von größter Bedeutung für die Aussagekraft der Ergebnisse. Wir richten uns
dabei eng an den "Leitfaden zur Vorbeugung, Untersuchung, Bewertung und Sanierung von Schimmelpilzwachstum in Innenraumen" des Umweltbundesamts (2002). Liegt sichtbarer Schimmelbefall vor, sollte dieser als hygienisches Problem erkannt und auf jeden Fall vollstandig saniert werden. Auf eine nahere Untersuchung kann bei sichtbarem Schimmel u. U. verzichtet werden, wenn die Ursache eindeutig ist und wenn weitere, möglicher Weise nicht sichtbare Quellen
ausgeschlossen werden können. Die Untersuchung von Materialproben kann notwendig sein, um über die Schutzmaßnahmen bei der Sanierung zu entscheiden. Wenn aufgrund von bekannten Feuchteschaden, Geruch oder gesundheitlichen Beschwerden der Verdacht auf Schimmelschaden besteht, sollte zunachst eine Sichtprüfung kritischer Bereiche durchgeführt werden. Führt dies nicht zu einem positiven Ergebnis, sollte vorzugsweise eine Raumluftprobe entnommen und
untersucht werden. Im mykologischen Labor werden die Proben auf verschiedenen Nahrmedien bebrütet, um die Gattungen bzw. Arten mikroskopisch anhand ihrer Sporentager bestimmen zu können. Die Konzentration der allergenen Schimmelsporen in der Luft wird durch Auszahlung und Rückrechnung auf die entnommenen Luftvolumen ermittelt. Die Bewertung des Gefahrdungspotenzials bzw. des Handlungsbedarfs erfolgt in Anlehnung an den oben erwahnten Schimmelpilzleitfadens des UBA unter
Berücksichtigung der gesundheitlichen Situation der Nutzer, der Sporenkonzentrationen und Artenzusammensetzung der Raumluft im Vergleich zur Außenluft. Alternativ oder in Kombination können je nach Fragestellung verschiedene Untersuchungsstrategien herangezogen werden. Es können Staub- und Materialproben entnommen und untersucht werden. Die Luftprobenahme kann aktiv (mittels einer Pumpe) oder passiv, durch Impaktion oder Filtration erfolgen. Mit Hilfe
von Partikelsammlern können auch Pilze bestimmt werden, die auf Nahrmedien schlecht wachsen oder nur wenige schlecht flugfahige Sporen ausbilden. Dies trifft z.B. auf die besonders gefahrliche Art Stachybotris chartarum zu. Wir verwenden die u.a. vom UBA empfohlenen Holbach Impaktoren und Partikelsammler. Eine weitere Möglichkeit bei nicht sichtbarem Befall besteht in der Bestimmung flüchtiger mikrobielle Stoffwechselprodukte (MVOC) in der Raumluft durch ein chemisches Labor. Durch MVOC-Messungen kann auch belegt werden, dass eine Geruchsbelastigung vorliegt.
Werden erhöhte Sporen- bzw. MVOC-Konzentrationen ohne sichtbaren Befall nachgewiesen, muss ihre Quelle lokalisiert werden. Hier kommen Feuchtemeßgerate und Infrarotthermometer zum Einsatz. Wenn kritische Materialfeuchten über einen Zeitraum von mehreren Wochen überschritten werden, kommt es auf jeden Fall zu Schimmelschaden. [nachste Seite] |