FormaldehydFormaldehyd (HCOH) ist ein farbloses Gas. Sein stechender Geruch ist erst in höheren Konzentrationen wahrnehmbar. Es wird unter anderem bei der Produktion von Klebstoffen, Lacken, Kunststoffen und -harzen sowie Schäumen
und Textilien in großen Mengen eingesetzt. Gesundheitsrelevante Formaldehydbelastungen entstehen häufig durch die Verwendung von Holzwerkstoffplatten bzw. Spanplatten und Ortschäume auf der Basis von Harnstoffaldehydharzleimen (UF-Leim), Melaminformaldehydleim (MF-Leim) und Aminoplastmischharzleimen (MUF-Leime). Weitere Quellen sind Parkett-, Laminat und Korkböden bzw. deren Versiegelungen, Furniere, Teppichböden und Polstermöbel. Des Weiteren findet sich Formaldehyd in
Gebrauchschemikalien wie Desinfektions- und Reinigungsmitteln. In den letzten Jahren wurden Anstrengungen unternommen, die Konzentrationen in den entsprechenden Produkten zu reduzieren oder Ersatzstoffe zu verwenden. So sind seit Mitte der Achzigerjahre in Deutschland nur noch formaldehydarme Holzwerkstoffplatten (Emissionsklasse E1) im Handel. Deren Formaldehydgehalt bzw. Formaldehydabgabe in die Raumluft wird von Medizinern für empfindliche Personen aber
immer noch als zu hoch kritisiert. Das Umweltzeichen „emissionsarme“ Holzwerkstoffplatten“ (RAL-ZU 76) legt etwas strengere Maßstäbe (auch an mögliche Ersatzstoffe) an. Ein entsprechendes Gütesiegel gibt es auch für Möbel und Holzböden (RAL ZU 38). Vor allem ältere Produkte können jedoch unter bestimmten Voraussetzungen größere Mengen an Formaldehyd freisetzen. Auch im Ausland produzierte Produkte (z.B. Möbel) können in Abhängigkeit von den dort geltenden
Bestimmungen große Mengen an Formaldehyd enthalten. Formaldehyd entsteht generell auch bei unvollständigen Verbrennungsprozessen. Eine wichtige Quelle für Formaldehyd können deshalb auch Tabakrauch sowie Feuerungsanlagen im Wohnbereich sein. Gesundheitliche AspekteFormaldehyd wird als reizend und allergieauslösend eingestuft und steht außerdem unter dem Verdacht krebsauslösend zu wirken. Als akute Symptome bei einer
Formaldehydbelastung sind in erster Linie Reizungen der Atemwege und der Augen zu nennen. Bei längerer Einwirkung können Kopfschmerzen, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Schwächung des Immunsystems, Schlafstörungen und Depressionen auftreten. Bei längerer Einwirkung kann es zu einer Sensibilisierung und nachfolgend zu allergischen Reaktionen kommen. Untersuchung und SanierungBesteht bei bestimmten Baustoffen oder
Einrichtungsgegenständen der Verdacht auf Formaldehyd, können Materialproben entnommen und analysiert werden. Bei unspezifischem Verdacht oder bei bekannter Formaldehydempfindlichkeit empfiehlt sich eine Raumluftmessung. Selbst durchführbare Schnelltests aus der Apotheke können erste Anhaltspunkte erbringen. Allerdings ist auf diese Weise eine Formaldehydbelastung nicht mit Sicherheit auszuschließen. Für eine genauere Bestimmung wird Raumluft mittels einer Probenahmepumpe durch ein
Adsorptionsmedium geleitet und dieses im Labor analysiert. Der Richtwert des Bundesgesundheitsamt für Formaldehyd in der Innenraumluft von 0,1 ppm (parts per million) ist als Maximalwert zu betrachten und sollte in jedem Fall eingehalten werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ebenfalls Richtwerte veröffentlicht. Eine Raumluftkonzentration von >0,083 ppm ist als kritisch zu bewerten, <0,05 ppm gibt „zu keiner Besorgnis Anlass“. Die für Ihre
kritische Einschätzungen gegenüber Schadstoffbelastungen bekannte Arbeitsgemeinschaft ökologischer Forschungsinstitute e.V. (AGÖF) gibt als Zielwert 0,01 ppm an. Die Sanierung von formaldehydbelasteten Räumen kann durch die Entfernung oder durch Versiegelung der Quellen erfolgen. Ersteres empfiehlt sich bei belasteten Einrichtungsgegenständen. Bei fest eingebauten Elementen wie Trennwänden, Bodenplatten und abgehängten Decken aus belasteten Spanplatten kann
letzteres als kostengünstigere Alternative erwogen werden. Bei empfindlichen Personen ist jedoch auch hier die Entfernung der Quellen anzustreben. |